Eine gute Reise besteht immer aus Umwegen. Wir begegnen Giraffen mit Irokesen-Schnitt und Kartongeistern, die der Logistik entfliehen. Unterwegs verschmelzen die Künstler Joost-Henrik Becker und Azim F. Becker Realität mit einem Mix aus Graphic Novel, Urban Art, Expressionismus und Comic. In ihren skurrilen Bildwelten und Figuren steckt stets ein Gefühl – manchmal verborgen, manchmal überdeutlich. Ein schräger Weg verlangt nach einer schrägen Zeichnung, ein emotionaler Weg ebenso.

Kuratiert von Azim F. Becker

Kunst im Speicher: lifelines – Ein Ausstellungsprojekt von 8 Studierenden des Fachs Kunst der Universität Osnabrück

Mit Werken von Joost-Henrik Becker, Luz Bustamente Sanchez, Roxanne Elora Mettner, Alina Meyer, Judith Schäfer, Johanne Schäper, Julia Schilokowski und Lisa Schönebeck.

Ob mit Tusche oder Stift – die vielfältigen, freien Arbeiten der Studierenden Joost H. Becker, Luz Bustamante Sanchez, Roxanne Mettner, Alina Meyer, Judith Schäfer, Johanne Schäper, Julia Schilowski und Lisa Schönebeck setzen sich ganz unterschiedlich mit dem Medium der Zeichnung auseinander. Die Künstler*innen vertreten mal gegenständliche, mal ungegenständliche Positionen und geben mit ihren Arbeiten einen Einblick in den gegenwärtigen Diskurs dieses künstlerischen Handlungsfeldes.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Frank Gillich, Lehrbeauftragter für das Fach Kunst an der Uni Osnabrück.
Gefördert wurde die Ausstellung durch den Landschaftsverband Osnabrücker Land, in dessen Räumlichkeiten die Ausstellung über ein halbes Jahr zu sehen war.

Fotos: Alexander Cooijmans
Veranstaltung:
https://hardart-os.de/
https://www.kleinefreiheit.info/

Meine erste Solo-Ausstellung in Osnabrück war ein Abend, den ich nicht vergessen werde. Es war der Abend an dem auch der Uni-Ball stattfand. Anstatt dort, hatten meine Bilder und ich uns aber in der allseits bekannten Kleinen Freiheit eingefunden, die ich dankenswerter Weise für diesen Abend zusammen mit mehreren DJs und einem Veranstaltungstechniker bespielen durfte. Ich hatte mit Kaan-Ege Önal, der für das Format HardArt kuratierte bereits im Vorfeld einen Raumplan abgesprochen und der Aufbau schien zunächst reibungslos zu laufen. Ege zeigte mir einen Knoten, den er von seinem Vater gelernt hatte, mit dem man Bilder nur an Seilen und ohne Hilfe von Haken hängen konnte. Wir scherzten und lachten. Als wir in den letzten Zügen waren, riss eine der Plexiglasschnüre, mit denen die Bilderrahmen im Raum temporär befestigt wurden. Glücklicherweise konnten wir das Bild auffangen, aber es war klar: Wir mussten einige Werke neu hängen und unseren Zeitplan konnten wir damit vergessen. Wenn ich aber rückblickend eins über Ausstellungsbau gelernt habe, dann dass nie alles nach Plan läuft. Damals war ich allerdings noch etwas unerfahrener und geriet mächtig ins Schwitzen. Unter Zeitdruck zu imrovisieren war allerdings schon immer eine interessante Herausforderung für mich und so wurden wir eben kreativ bei unseren Hängungsmethoden. Durch die Hilfe des ganzen HardArt-Teams konnten wir glücklicherweise dann doch alles rechtzeitig vorbereiten. Besonderer Dank geht noch mal an David, der mit seiner resilienten Art auch mich nicht verzweifeln lies.

Ich flitzte nach Hause, um noch schnell zu duschen und als ich zurückkam, warteten bereits Freunde und Bekannte aus der Uni auf mich. Aber auch aus der Heimat und anderen Städten in der Nähe waren einige Freunde und meine Eltern angereist, um zu sehen was ich da fabriziert hatte. Viele Glückwünsche und Gespräche später tauchten auch stetig immer mehr mir unbekannte Gesichter auf und besonders die Neugier an ein paar älteren Werken stieg, da mein Vater in seiner begeisternden Art Hintergrundinformationen erzählte. Einige der Arbeiten hatte ich während eines Studienaufenthalts 2022 im Künstlerdorf Formine angefertigt. Sie waren aber leider auf dem Transport aus dem Bergdorf mit einer sog. Teleferika (Materialseilbahn) verloren gegangen. Ein Jahr später bekam ich eine Nachricht von Alexeij Eisner, der zu diesem Zeitpunkt in Formine entdeckt hatte, dass jemand meine Arbeiten gefunden und zum Trocknen in die Sonne gelegt haben musste. Dankenswerterweise brachte er sie mir auf dem Rückweg nach Osnabrück mit und ich konnte sie in dieser Ausstellung zum ersten Mal präsentieren, wenn auch nur für eine Nacht.

Je später es wurde, desto mehr Leute fanden sich in der Kleinen Freiheit ein und der Übergang von Ausstellung zu Rave verlief fließend. Im Lichtgewitter und Bassgeflimmer verflog der Abend und als wir die Arbeiten wieder im Transporter verstauten, kam mir das Ganze unwirklich vor.

Dieser äußerst strahlende junge Mann bin tatsächlich ich bei meiner ersten Solo-Ausstellung. Die lieben Leute vom Café Freiblock (mittlerweile Café Gröön https://cafegroen.de/) in Wilhelmshaven haben mir dankenswerter Weise ihre Wände für einige Monate zur Verfügung gestellt. Damals habe ich mich noch im Bereich abstraktes Colorfield-Painting bewegt. Einige der Arbeiten waren zuvor in einer Gruppenausstellung in Mailand zu sehen. Seit dem ist viel Zeit vergangen und sowohl das Café als auch ich haben uns zwar weiterentwickelt, aber ich denke immer noch gern an diesen Moment zurück.